Macht Kontaktabbruch zu den leiblichen Eltern Kinder krank? Eine Analyse wissenschaftlicher Literatur

Einflußnahme auf den Gutachter - aus Sicht der psychiatrischen Sachverständigen

Die Befragungen medizinischer und psychologischer Gutachter haben ergeben, dass Gutachten und Gerichtsverfahren keine Sicherheit für Wahrheitsfindung und Gerechtigkeit geben. Verfahren und Gutachten sind - wie alles andere im Leben auch - fehleranfällig.

Aus dieser Erkenntnis heraus ergibt sich der Schluss: bevor man sich für den Gerichtsweg entschließt, sollten die Möglichkeiten alternativer Streitschlichtung versucht werden. Alternative Streitschlichtung kommt ohne Gutachter aus, hier werden die Menschen so genommen, wie sie sind, sie werden nicht bewertet. Bei alternativer Streitschlichtung geht es vorrangig darum, Lösungen zu finden, die gerecht und sinnvoll sind, und mit denen alle Parteien leben können. Alternative Streitschlichtung geht weiter, als ein Gerichtsverfahren. Sie erlaubt es, alle Belange anzusprechen, die den Konflikt ausmachen, auch die, die nicht über ein Gericht geklärt werden können, wie Emotionen, Verletztheit, Unausgesprochenes. Dadurch können evtl. tragfähigere Lösungen erreicht werden, als über Gerichtsentscheidungen.

Führt ein tendenzielles oder anderweitig fehlerhaftes Gutachten zu einer gerichtlichen Fehlentscheidung, ist der Schaden für die Justiz erheblich. Deshalb sollten insbesondere Gerichte das größte Interesse daran haben, dass Gutachter kompetent sind, neutral bewerten und keinerlei Einfluss auf sie ausgeübt wird. Dazu gehört auch, dem Gutachter nicht mitzuteilen, wer die Vorgutachter sind und zu welchen Erkenntnissen diese gekommen sind.

Die Publikation basiert auf einem Vortrag bei den Heidelberger Gesprächen am 30.09.2015 und fasst zusammen, was aus Sicht psychiatrischer Gutachter – ermittelt über Befragungen in den Jahren 1983/84, 2013 und 2014 - bekannt ist. Inhalte:

  • Warum ist Einflussnahme auf Gutachter ein Thema?
  • Gibt es an Gerichten in Deutschland Fehlentscheidungen?
  • Mitursächlich für Fehlentscheidungen von Gerichten: Fehleinschätzungen von psychiatrischen Gutachtern
  • Gibt es seitens von Gerichten Einflussnahme auf Gutachter?
  • Was sagen die Gutachter in Bayern und in Österreich dazu?
  • Spielen wirtschaftliche Aspekte eine Rolle?
  • Was bedeutet es, wenn ein psychiatrisches Gutachten nicht neutral und unbeeinflusst erstellt wurde?
  • Was sagt der Gesetzgeber zum Begutachtungswesen?
  • Wie würden die Gutachter selbst das Begutachtenswesen verändern?
  • Wo stehen die psychiatrischen Gutachter?
  • Steht im Gutachten die Wahrheit?
  • Das gutachterliche Missverständnis
  • Für jedes Problem gibt es eine Lösung
  • Jede Form der Einigung ist besser als ein Gerichtsverfahren
  • Wie unterscheidet sich eine alternative Streitschlichtung von einem Gerichtsverfahren?
  • Am Gutachten mitwirken oder nicht mitwirken?
  • Die Haftung des Gutachters
  • Gutachter können Verantwortung nicht abnehmen 

Gresser U (2016)
Med Sach 112 (5): 198-203

Die Befragungen medizinischer und psychologischer Gutachter haben ergeben, dass Gutachten und Gerichtsverfahren keine Sicherheit für Wahrheitsfindung und Gerechtigkeit geben. Verfahren und Gutachten sind - wie alles andere im Leben auch - fehleranfällig.

Aus dieser Erkenntnis heraus ergibt sich der Schluss: bevor man sich für den Gerichtsweg entschließt, sollten die Möglichkeiten alternativer Streitschlichtung versucht werden. Alternative Streitschlichtung kommt ohne Gutachter aus, hier werden die Menschen so genommen, wie sie sind, sie werden nicht bewertet. Bei alternativer Streitschlichtung geht es vorrangig darum, Lösungen zu finden, die gerecht und sinnvoll sind, und mit denen alle Parteien leben können. Alternative Streitschlichtung geht weiter, als ein Gerichtsverfahren. Sie erlaubt es, alle Belange anzusprechen, die den Konflikt ausmachen, auch die, die nicht über ein Gericht geklärt werden können, wie Emotionen, Verletztheit, Unausgesprochenes. Dadurch können evtl. tragfähigere Lösungen erreicht werden, als über Gerichtsentscheidungen.

Führt ein tendenzielles oder anderweitig fehlerhaftes Gutachten zu einer gerichtlichen Fehlentscheidung, ist der Schaden für die Justiz erheblich. Deshalb sollten insbesondere Gerichte das größte Interesse daran haben, dass Gutachter kompetent sind, neutral bewerten und keinerlei Einfluss auf sie ausgeübt wird. Dazu gehört auch, dem Gutachter nicht mitzuteilen, wer die Vorgutachter sind und zu welchen Erkenntnissen diese gekommen sind.

Die Publikation basiert auf einem Vortrag bei den Heidelberger Gesprächen am 30.09.2015 und fasst zusammen, was aus Sicht psychiatrischer Gutachter – ermittelt über Befragungen in den Jahren 1983/84, 2013 und 2014 - bekannt ist. Inhalte:

  • Warum ist Einflussnahme auf Gutachter ein Thema?
  • Gibt es an Gerichten in Deutschland Fehlentscheidungen?
  • Mitursächlich für Fehlentscheidungen von Gerichten: Fehleinschätzungen von psychiatrischen Gutachtern
  • Gibt es seitens von Gerichten Einflussnahme auf Gutachter?
  • Was sagen die Gutachter in Bayern und in Österreich dazu?
  • Spielen wirtschaftliche Aspekte eine Rolle?
  • Was bedeutet es, wenn ein psychiatrisches Gutachten nicht neutral und unbeeinflusst erstellt wurde?
  • Was sagt der Gesetzgeber zum Begutachtungswesen?
  • Wie würden die Gutachter selbst das Begutachtenswesen verändern?
  • Wo stehen die psychiatrischen Gutachter?
  • Steht im Gutachten die Wahrheit?
  • Das gutachterliche Missverständnis
  • Für jedes Problem gibt es eine Lösung
  • Jede Form der Einigung ist besser als ein Gerichtsverfahren
  • Wie unterscheidet sich eine alternative Streitschlichtung von einem Gerichtsverfahren?
  • Am Gutachten mitwirken oder nicht mitwirken?
  • Die Haftung des Gutachters
  • Gutachter können Verantwortung nicht abnehmen 

Prinz A, Gresser U (2015)
NZFam 21/2015 vom 06.11.2015, 2: 989-995

Fazit der Studie:
Kontaktabbruch zu den lebenden leiblichen Eltern macht aus Kindern kranke Erwachsene. Diese Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft wird von Gutachtern, Behörden und Familiengerichten nach unseren Erkenntnissen unzureichend berücksichtigt. Sie sind oft wenig hilfreich bei der Verhinderung oder Behebung dieses gesundheits- und kindeswohlschädigenden Zustandes "Kontaktabbruch". Deshalb lohnt sich jeder Versuch, ohne Behörden, Gerichte, Gutachter selbst zu einer Lösung zu finden, z.B. durch Mediation.

Jeden Tag werden weltweit Kinder von ihren Eltern getrennt, sei es durch Flucht, Krieg, Tod, Trennung der Eltern, gerichtliche oder behördliche Maßnahmen. Die Erfassung von Folgen solcher Traumata und ihre Bedeutung für die medizinische Versorgung der Betroffenen werden immer wichtiger.
Ziel der vorliegenden Literaturanalyse war es, zu klären, ob Kinder, die in ihrer Kindheit und Jugend Kontaktverlust zu ihren lebenden Eltern erleiden, über das aktuelle Trauma hinaus länger anhaltende gesundheitliche Folgen zeigen.
Ergebnisse: Es gibt nur wenige Studien, die sich mit der Frage gesundheitlicher Folgen von Kontaktabbruch zwischen Kindern und ihren lebenden leiblichen Eltern befassen. Die Studien ergeben:
Kontaktverlust zu leiblichen Eltern führt unabhängig vom Lebensalter des Kindes bei Beginn und der Dauer des Kontaktverlustes zu einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von schweren Depressionen, Angststörungen, Panikstörungen, Alkoholabhängigkeit, Drogenmissbrauch, Drogenabhängigkeit und Phobien. Kontaktverlust zu Mutter bzw. Vater bewirken beide erhöhte Erkrankungsrisiken mit unterschiedlichen Risikokonstellationen.
Die Folgen können lebenslang anhalten. So führte z.B. Kontaktverlust zu einem Elternteil durch Trennung – nicht aber durch Tod - zu einem erhöhten Risiko, an einer Alkoholabhängigkeit zu erkranken. Am ausgeprägtesten war dies bei Kontaktverlust zur lebenden Mutter, hier war das Erkrankungsrisiko für Alkoholabhängigkeit signifikant erhöht (iHR = 4,70 mit p < 0,0001) mit einer errechneten Erholungszeit von 115,5 Jahren. Kontaktverlust zu lebenden Eltern wirkt sich nachweislich der wissenschaftlichen Studien deutlich stärker aus als Kontaktverlust aufgrund von Tod. Durch Kontaktverlust zu lebenden Eltern werden die betroffenen Kinder etwa doppelt so stark und dreimal so lang belastet, wie bei Kontaktverlust durch Tod.

Über diesen Link können Sie den kompletten Artikel beim C.H. Beck-Verlag erwerben.

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