Publikationen

Vergleich der verschiedenen psychotherapeutisch tätigen Berufsgruppen bezüglich ihrer Zugangsvoraussetzung, Ausbildung, Legitimation, Vergütung und Haftung

Hollunder E, Gresser U, Richartz BM (2017)
Ärztliche Psychotherapie 12 (1): 35-42

Die Analyse von Gesetzen, Veröffentlichungen und Stellungnahmen ergab, dass sich die psychotherapeutischen Berufsgruppen stark unterscheiden. Es konkurrieren vier Ausbildungswege miteinander, deren Berufsbezeichnungen sich trotz Titelschutz stark ähneln. Die Ausbildungsvoraussetzungen differieren von „Hauptschulabschluss“ bis „Staatsexamen“. Die Ausbildungsdauer differiert von „keine vorgeschriebene Ausbildung“ bis „5 Jahre in Vollzeit“. Ausbildung und Prüfung differieren stark in Ausmaß und Inhalt. Entscheidende juristische Unterschiede finden sich 

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Einflußnahme auf den Gutachter - aus Sicht der psychiatrischen Sachverständigen

Gresser U (2016)
Med Sach 112 (5): 198-203

Fazit der Analyse:
Die Befragungen medizinischer und psychologischer Gutachter haben ergeben, dass Gutachten und Gerichtsverfahren keine Sicherheit für Wahrheitsfindung und Gerechtigkeit geben. Verfahren und Gutachten sind - wie alles andere im Leben auch - fehleranfällig.
Führt ein tendenzielles oder anderweitig fehlerhaftes Gutachten zu einer gerichtlichen Fehlentscheidung, ist der Schaden für die Justiz erheblich. Deshalb sollten insbesondere Gerichte das größte Interesse daran haben, dass Gutachter kompetent sind, neutral bewerten und keinerlei Einfluss auf sie ausgeübt wird. Dazu gehört auch, dem Gutachter nicht mitzuteilen, wer die Vorgutachter sind und zu welchen Erkenntnissen diese gekommen sind.

Aus dieser Erkenntnis heraus ergibt sich der Schluss: bevor man sich für den Gerichtsweg entschließt, sollten die Möglichkeiten alternativer Streitschlichtung versucht werden. Alternative Streitschlichtung kommt ohne Gutachter aus, hier werden die Menschen so genommen, wie sie sind, sie werden nicht bewertet. Bei alternativer Streitschlichtung geht es vorrangig darum, Lösungen zu finden, die gerecht und sinnvoll sind, und mit denen alle Parteien leben können. Alternative Streitschlichtung geht weiter, als ein Gerichtsverfahren. Sie erlaubt es, alle Belange anzusprechen, die den Konflikt ausmachen, auch die, die nicht über ein Gericht geklärt werden können, wie Emotionen, Verletztheit, Unausgesprochenes. Dadurch können evtl. tragfähigere Lösungen erreicht werden, als über Gerichtsentscheidungen.
Die Publikation basiert auf einem Vortrag bei den Heidelberger Gesprächen am 30.09.2015 und fasst zusammen, was aus Sicht psychiatrischer Gutachter – ermittelt über Befragungen in den Jahren 1983/84, 2013 und 2014 - bekannt ist. Inhalte:

  • Warum ist Einflussnahme auf Gutachter ein Thema?
  • Gibt es an Gerichten in Deutschland Fehlentscheidungen?

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Macht Kontaktabbruch zu den leiblichen Eltern Kinder krank? Eine Analyse wissenschaftlicher Literatur

Prinz A, Gresser U (2015)
NZFam 21/2015 vom 06.11.2015, 2: 989-995

Fazit der Studie:
Kontaktabbruch zu den lebenden leiblichen Eltern macht aus Kindern kranke Erwachsene. Diese Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft wird von Gutachtern, Behörden und Familiengerichten nach unseren Erkenntnissen unzureichend berücksichtigt. Sie sind oft wenig hilfreich bei der Verhinderung oder Behebung dieses gesundheits- und kindeswohlschädigenden Zustandes "Kontaktabbruch". Deshalb lohnt sich jeder Versuch, ohne Behörden, Gerichte, Gutachter selbst zu einer Lösung zu finden, z.B. durch Mediation.

Jeden Tag werden weltweit Kinder von ihren Eltern getrennt, sei es durch Flucht, Krieg, Tod, Trennung der Eltern, gerichtliche oder behördliche Maßnahmen. Die Erfassung von Folgen solcher Traumata und ihre Bedeutung für die medizinische Versorgung der Betroffenen werden immer wichtiger.
Ziel der vorliegenden Literaturanalyse war es, zu klären, ob Kinder, die in ihrer Kindheit und Jugend Kontaktverlust zu ihren lebenden Eltern erleiden, über das aktuelle Trauma hinaus länger anhaltende gesundheitliche Folgen zeigen.
Ergebnisse: Es gibt nur wenige Studien, die sich mit der Frage gesundheitlicher Folgen von Kontaktabbruch zwischen Kindern und ihren lebenden leiblichen Eltern befassen. Die Studien ergeben:
Kontaktverlust zu leiblichen Eltern führt unabhängig vom Lebensalter des Kindes bei Beginn und der Dauer des Kontaktverlustes zu einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von schweren Depressionen, Angststörungen, Panikstörungen, Alkoholabhängigkeit, Drogenmissbrauch, Drogenabhängigkeit und Phobien. Kontaktverlust zu Mutter bzw. Vater bewirken beide erhöhte Erkrankungsrisiken mit unterschiedlichen Risikokonstellationen.
Die Folgen können lebenslang anhalten. So führte z.B. Kontaktverlust .....

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Was macht Österreich besser? Ergebnisse einer Befragung von medizinischen Sachverständigen in Österreich und Vergleich mit einer Befragung medizinischer Sachverständiger in Deutschland

Kassab V, Gresser U (2015)
Der Sachverständige 11/2015 vom 04.11.2015; 42: 268-276

Fazit der Studie:
Die Befragungen von medizinischen Gutachtern in Deutschland sowie Österreich zeigen, dass d
ie Wahrscheinlichkeit, über einen Gutachter im Gerichtsverfahren zu einer sachlichen und unabhängigen Faktenbewertung zu kommen, weit geringer als wünschenswert ist. In Österreich sind die Chancen für Patienten, einen Gutachter zu finden, besser als in Deutschland.
Wer selbst den Ausgang von Streitigkeiten mitbestimmen möchte, sollte - insbesondere im Bereich Familie, Trennung, Kinder - versuchen, selbst eine Lösung zu erarbeiten, z.B. durch eine Mediation.

2013 haben Jordan und Gresser in Deutschland eine Umfrage zur Begutachtungsmedizin durchgeführt und 548 medizinische und psychologische Gutachter befragt (DS 2014, 41: 71-83). Von den Mitwirkenden an der Befragung wurden Vorschläge für eine Verbesserung des Gutachterwesens gemacht , die in Österreich teilweise Gesetz sind. Die vorliegende Studie sollte klären, ob eine analoge Befragung von medizinischen Gutachtern in Österreich (n=924) andere Ergebnisse ergibt als in Deutschland.
Ergebnis: Das Gutachterwesen in Österreich ist patientenfreundlicher als das Gutachterwesen in Deutschland. Die Chancen, einen Gutachter zu bekommen, sind in Österreich durch die öffentlichen Datenbanken deutlich besser als in Deutschland. Die Bearbeitungszeit der Gutachten ist in Österreich kürzer. ...

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Wie unabhängig sind Gutachter? Ergebnisse einer Befragung unter 548 medizinischen und psychologischen Sachverständigen in Bayern 2013

Jordan B, Gresser U (2014)
Der Sachverständige 4/2014 vom 08.04.2014; 41: 71-83
Verlag C.H. Beck München

Fazit der Studie:
Die Wahrscheinlichkeit, über einen Gutachter im Gerichtsverfahren zu einer sachlichen und unabhängigen Faktenbewertung zu kommen, ist weit geringer, als wünschenswert wäre.
Wer selbst den Ausgang von Streitigkeiten mitbestimmen möchte, sollte versuchen, selbst eine Lösung zu erarbeiten, z.B. durch eine Mediation.

Die Zahl der in den letzten Jahren öffentlich gewordenen Justizfehler, für jedermann nachzulesen, wie z.B. im DER SPIEGEL 33/2011 vom 15.08.2011 über den Fall von Horst Arnold, die sich zum Teil zu Justizskandalen auswuchsen, hat das Vertrauen der Bürger in den Rechtsstaat erschüttert. Oft wurde weder den Opfern angemessen Gerechtigkeit zuteil, noch wurden die Ursachen der Justizfehler den deutschen Gesetzbüchern entsprechend rechtsstaatlich gewürdigt. In solchem Kontext öffentlich gewordene Fälle sind zum Beispiel die von Gustl Ferdinand Mollath, Ulvi Kulac, Horst Arnold, Jörg Kachelmann oder der des Vaters aus Memmingen, wobei jeder Fall eine ganz eigene Geschichte ist. Es wäre für die Wirksamkeit des Rechtsstaates wichtig, Fehler zuzugeben und Falschbeschuldigungen gemäß § 164 StGB bzw. § 239 StGB  zur Rechenschaft zu ziehen. So wurde beispielsweise .....

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